Unerklärliche Schmerzen? Jahrelanges Therapeuten-Hopping? Dann endlich die Diagnose: CMD!? Craniomandibuläre Dysfunktion!


Wie bitte? Um was geht's? Schienentherapie. Unterschiedliche Systeme. Kiefer-Chirurgie, jetzt hört's aber auf? Lieber Kieferorthopädie: Sato, Risse. Nach welcher Methode arbeitet ein Kieferorthopäde? Relaktor, das soll helfen? Ein alter Trend: MFT: Myofunktionelle Therapie nach Kittel/Codonie.

Hilfe, ich blick nicht mehr durch! Was verspricht Körperarbeit. Was ist eine integere Behandlung? Wer berät mich hier "Objektiv" und zeigt mir die genauen Handlungsmöglichkeiten. Sind denn hier jetzt alle verrückt? Na dann, Prost Mahlzeit, Depression und ab zum Psychiater!


Oder ….


ich wage den Perspektivwechsel ...


CMD Ganzheitlich Verstehen - Alternativ Handeln

Ein bewusster Weg zur Selbsthilfe bei
Zähneknirschen, Kiefergelenks-Beschwerden und unerklärlichen Muskelschmerzen.


Kreativ. Intuitiv. Eigeninitiativ.

Samstag, 29. April 2017

Kieferorthopädie III - Kieferorthopädie bei Kindern - Ein Beispiel: Meine Tochter

Kieferorthopädie bei Kindern

Ist es wirklich schon so weit?

Ich war zur Halbjahreskontrolle mit meinen Kindern beim Zahnarzt. Dieser bemerkte bei meiner Großen Tochter Marlene einen Engstand der Zähne und des Kiefers. Was die Kiefer angeht, sind sie glaub ich normal, dachte ich eigentlich.


Er hat mir eine Überweisung zu seiner Kieferorthopädin gegeben, wo auch schon seine Kinder waren. Na perfekt. Das ist bestimmt die richtige Adresse.


Oh nein, das kenne ich doch von früher

Angekommen, klärte mich die Kieferorthopädin über einen möglichen Behandlungsverlauf auf. Wieder, wie mein Zahnarzt thematisierte sie den Engstand der Zähne


Als erstes würde sie mit Zahnklammern arbeiten, aber wenn der Engstand nicht zu beheben ist, dann müssten Zähne gezogen werden und eine Feste Zahnspange angewendet werden.

 No Way. Das kommt überhaupt nicht in Frage.


Außerdem erwähnte sie, dass meine Tochter schon ein Kiefergelenksknacken hätte. Das sei sehr ungewöhnlich in ihrem Alter.

 Na Prost Mahlzeit.



Alte vs. neue Kieferorthopädie

Sie erklärte mir außerdem, dass heute 

  • kleinere Brackets verwendet werden,
  • die Drähnte aus Titan super elastisch sind,
  • eine schnellere Behandlungsdauer angestrebt wird,
  • eine bestimmte Feinabstimmung möglich ist.

Nebenwirkungen und Komplikationen

Nicht zu vergessen sind Begleiterscheinungen möglich wie:

  • Entkalkung und Karies
  • Resorptionen
  • Parodontale Veränderungen
  • Vorübergehende Lockerung der Zähne
  • Kurzzeitige Überempfindlichkeit der Zähne und Weichteile
  • Rezidive
  • Ausbleibender Erfolg bei schlechter Mitarbeit
 Wenigstens wurde ich über Nebenwirkungen aufgeklärt, das war früher glaub ich nicht Gang und Gebe.


Und nun?

Jetzt muss ich erst mal überlegen. Ich werde meinen Block durcharbeiten und Alternative Behandler aufsuchen. Ohne dass ich mir andere Möglichkeiten angehört habe, werde ich hier gar nichts unternehmen.

 Ich berichte weiter. Tbc ...

Donnerstag, 27. April 2017

CMD: Eure Erfahrungen zählen!

Eurer Beitrag ergänzt meinen Blog

Mir ist gerade eingefallen, dass Ihr Eure Erfahrungen mit bestimmten Geräten, Methoden und anderen Dingen über meine Kommentar-Funktion posten könnt.

Mich haben öfters Betroffene angeschrieben und erzählt, mit was sie positive Erfahrungen gemacht haben, oder was ich in meinem Blog noch nicht erwähnt habe.

 Ich freue mich sehr, über Eure Beiträge, die zum Nachdenken anregen und den Blog weiter ausbauchen.


 Zögert nicht. Ich kommentiere Eure Beiträge natürlich auch.

Montag, 10. April 2017

CMD: Ernährung und Schmerzen III : Ketogene Diät und Muskeltonus - Ein Selbstversuch






Die Ketogene Diät

Was ist das?

Die ketogene Ernährung ist eine kohlenhydratarme und deshalb fettreiche Form der Ernährung, die den Hungerstoffwechsel (Fettverbrennung) in bestimmten Aspekten imitiert. 


In dieser Ernährungsform bezieht der Körper seinen Energiebedarf nicht mehr aus Kohlenhydraten, sondern aus Fett und Proteinen. Er wandelt Fett in Ketonkörper um und nutzt diese dann als Hauptenergiequelle.

In der Medizin wird diese Ernährung schon bei einer Vielzahl von Erkrankungen, einschließlich Epilepsie, Alzheimer, Parkinson, neurologischen Erkrankungen und sogar bei Krebs eingesetzt. 


Wissenschaftlich gesehen, gibt es diese Form der Ernährung schon seit Millionen von Jahren, sie ermöglichte unseren Vorfahren sich zu dem Mensch zu entwickeln, der wir heute sind.


Mein aktuelles Befinden

Ich bin immer noch nicht perfekt zufrieden, was meine Ernährung angeht. Anfangs war ich ja Veganerin, weil sich das positiv auf die Entzündungsherde auswirkt. Tierisches Eiweiß verstärkt nämlich die Entzündungsreaktion.

Weil ich aber keine Entzündungsherde habe, bin ich dann zur Low Carb Ernährung umgeschwenkt. Und ich muss sagen, dass sich mein Muskeltonus deutlich reduziert hat. Es hat sich gezeigt, dass sich Kohlenhydrate ungünstig auf Schmerzen auswirken.

Ich finde aber, dass noch mehr Potential aus der Ernährung rauszuholen ist. Deswegen schaue ich mir jetzt die Ketogene Diät mal an.


Warum

Das Ziel einer ketogenen Ernährung ist es, den Körper in Ketose zu zwingen. Aber das passiert nicht durch hungern, sondern einfach durch das Weglassen der Kohlenhydrate. Unser Körper ist sehr anpassungsfähig und nach ein paar Tagen funktioniert dieser neue Fett-Stoffwechsel wunderbar.


Als Ketose bezeichnet man in der Medizin und Veterinärmedizin einen Stoffwechselzustand, bei dem ein Anstieg der Konzentration von Ketonkörpern in Blut und Extrazellularraum über die Normwerte festzustellen ist. Dabei können die Ketonkörper die Glukose als primäre Energiequelle des Organismus ablösen.

Ergebnis ist dann, dass sich der Muskeltonus beruhigt und z. B. Fressattacken abnehmen.


Beispiel I

Ein Freund von uns hat Multiples Sklerose und ist ganz auf die Vegane und Ketogene Ernährung umgeschwenkt. Er muss sozusagen versuchen, seinen Muskeltonus gezielt unten zu halten, damit er keine Schmerzen erleiden muss. 


Er macht das ganz erfolgreich, obwohl es eine harte Nummer ist.



Beispiel II


Ein weiterer Freund hat die ernüchternde Diagnose Krebs bekommen. Er hat viel recherchiert und hat entschieden, ebenfalls die Vegane (Eiweise werden in der Leber auch in Zucker umgewandelt) und Ketogene Ernährung anzuwenden. Das Resultat war, dass sich der Krebs bis jetzt verkleinert hat und ebenso die Lymphknoten. 


Außerdem hat er erwähnt, dass seine Kopfschmerzen weg gegangen sind. Da bin ich also hoch motiviert, hier etwas, was meine CMD angeht, zu erreichen.



Beispiel III


Eine Migräne Betroffene hat ebenfalls die Ketogene Diät ausprobiert, weil sie 15 Tage im Monat unter schlimmen Migräne Attacken gelitten hat.


Mit der Ketogenen Ernährung hat sie die Kopfschmerzen fast wegbekommen. Sie heißt Dani und schreibt ebenfalls einen Block über die Ketogene Diät und Schmerzen.


Vielleicht hat sie ja auch eine CMD, die noch nicht diagnostiziert wurde.

http://migrevolution.de



Ist die Ketogene Diät gesund?

Ob die Ketogene Diät gesund ist, das weiß ich noch nicht. Ich will aber trotzdem nicht so viel tierisches Eisweis essen. Zuviel ist auch ungesund. Aber was kann ich denn jetzt alles essen? Das findet ihr in Dani's Blog


Auf jeden Fall habe ich bemerkt, dass sich meine Verspannungen verbessert haben.




Hier mein Selbstversuch

10. April 2017


Vor einer Woche habe ich mit der Ketogenen Ernährung angefangen. Ich habe sofort bemerkt, wie sich mein Zustand verschlechtert hat. Kopfschmerzen, Müdigkeit und Unruhe. Aber das stand ja alles in der Beschreibung.


Erst gestern habe ich den Test mit den Keto-Sticks gemacht (die hält man in den Urin, um zu testen, ob man in Ketose ist), und dieser Test ist negativ ausgefallen. 


Ich war so frustriert, dass ich erst mal einen ordentlichen Cheat Day eingeführt habe. Lecker, lecker, aber dafür hatte ich am nächsten Tag wieder Rückenschmerzen.


Ab heute werde ich es nochmal probieren und sehr auf das Essen achten. Ich berichte weiter.



Nach Ostern

Ostern ist für mich sehr kulinarisch verlaufen. Den ersten Tag bei meiner Family war noch überschaubar. Die darauf folgenden Tage waren alles Cheat Days. Aber so richtig ordentlich. Alles was das Herz begehrt.

Heute habe ich wieder den ersten Tag, den ich der Ketogenen Diät widme. Aber um ehrlich zu sein, schaffe ich es nicht, innerhalb der vorgeschriebenen Kohlenhydrat Menge zu bleiben.

Nicht desto trotz bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Die Verspannungen sind definitiv besser geworden, auch wenn ich ein bisschen mehr Obst und ab und zu ein bisschen Kartoffelbrei oder etwas Pizza esse.

Ich werde es weiter verfolgen ...




Hilfe, mir reicht's !!

Diese neue Idee mit der Ketogenen Wunschvorstellung kann ich mittlerweile in der Pfeife rauchen. So ein Mist. 

Natürlich stehe ich ja gerade unter meiner Lieblingsdroge Zyprexa. Genau die, die diesen geringfügigen erhöhten Appetit provoziert. Nur ein bisschen, gerade soviel, sodass ich auch noch die 5. Tafel Schokolade nach dem Abendessen rein haue.

Ich gehe auseinander wie eine Pflunder. Nach links und rechts und vorne und hinten. 

Irgendetwas muss jetzt also was passieren, damit ich trotzdem ein Erfolgserlebnis verspüre. Ich werde deshalb folgende Themen in meinem Leben angehen.



  • a) Kohlenhydrat-Konsum
  • b) Gewicht
  • c) Rauchen
  • d) CMD
  • e) Konsum


Kohlenhydrat-Konsum


Vor ein paar Monaten habe ich angefangen, meine Kohlenhydrate zu reduzieren. Es hat mir auch sehr geholfen, da sich so der Muskeltonus verringert hat. Dazu nehme ich Kaisers Natron, das basisch auf den Körper wirkt. 


Kaiser Natron
http://www.holste.de/kaisernatron.htm

So lässt sich ein zu hoher Säurehaltiger Konsum von Nahrungsmitteln neutralisieren. Insgesamt fühlt man sich 
nach einem Cheat Day so deutlich besser. Hier gibt es selbstverständlich unterschiedliche Anbieter.

Das Kaiser Natron hat mir meine Schwester mitgebracht.

Ich würde mal sagen, das ist ein voller Erfolg, wenn man sich strickt daran hält, die Kohlenhydrate stark zu reduzieren.


Gewicht

Leider habe ich hier immer wieder Probleme, weniger Cheat Days zu haben. Die Macht von meinem Neuroleptikum Zyprexa ist schon immens. 

Der Erfolg lässt hier zu wünschen übrig. Ich bleibe aber dran. Wir werden sehen.




Rauchen

Ich fange also damit an, was für mich aktuell am leichtesten ist. Das wäre das Rauchen aufzuhören. Punkt. Hart. Beeinflussbar. Ich gönne mir nur noch Zigaretten in Begleitung. In guter Atmosphäre mit einer Person und in netter Umgebung.

Dieses große Sucht-Spektakel jeden Tag, immer diese Ziggis reinrauchen. Alleine. Ohne Gefallen. Die meisten Zigaretten raucht man doch sowieso allein und man sucht sich immer einen Slot - wie ich zum Beispiel - wenn mich niemand von meiner Familie sieht.

Das wird abgeschafft. Punkt. Auch wenn's mich gelüstelt. Das ist machbar für mich. Also ein voller Erfolg.



CMD

Seit 2009 praktiziere ich ja schon Körperarbeit, was mir bis jetzt auch sehr geholfen hat. Um ein bisschen Abwechslung in die Sache zu bekommen, habe ich mir den Kopfstand vorgenommen. 

Jeden Tag übe ich ein bisschen. Real und imaginär. Wenn sich dann die Ausführung verbessert, hat das natürlich einen positiven Effekt auf das Ergebnis. Das motiviert, weiter zu machen.



Gewicht und Rauchen

Eine gute Methode, nach einem Cheat Day, dem Verlangen nach einer Zigarette oder einer Tafel Schokolade entgegen zu wirken, ist das Üben des Kopfstandes oder die Imaginäre Vorstellung, dass ich den Kopfstand ausübe. Es macht mir riesen Spaß, solche Herausforderungen zu meistern.

Bis jetzt habe ich seit 10 Tagen keine Zigarette außerplanmäßig geraucht. Nur beim Essen hatte ich so meine Probleme. Egal. Ein Punkt ist geschafft.



Konsum & Shoppen

Was mir ziemlich schwer fällt, ist es, mich beim Shoppen zurück zu halten. Bedingt ist das durch meine Manischen Zustände. Ist also nicht so einfach für mich.

Ich habe mir also vorgenommen, dass ich erst was kaufe, wenn ich 2 Wochen lang keinen Cheat Day hatte. Kein Geld auszugeben fällt mir leichter, als 2 Wochen keinen Cheat Day zu haben. Ich bin zuversichtlich.


 Wir werden sehen, wie ich diese großen 5 Herausforderungen meistere. Alles hängt schließlich von meinen Cheat days ab. Ich werde achtsam sein und mein best Möglichstes tun.


Mitte Juni


Cluburlaub

Was kann man besseres tun für die Linie, als eine Woche voll durch zu schlemmen - aber so richtig. Wir sind nämlich eine Woche nach Tunesien in ein Club Ressort geflogen und haben uns es so richtig gut gehen lassen.

4 Mahlzeiten am Tag, wenig Bewegung, rum liegen, essen, trinken, essen, schlafen und schwups waren gleich 4 Kilo mehr auf der Wage zu sehen. Ein gefühlter Gluten-induzierter
 Anaphylaktischer Schock breitete sich bei mir aus. Was soll ich sagen, nicht verzagen, Alternative wagen.

Wie das nun aussehen mag, dass kann ich noch nicht beantworten, ich tüftle gerade etwas mit meinen Parametern rum.....





Fazit:


 Schaut, ob ihr die Ketogene Diät schafft. Sie hat definitiv einen positiven Einfluss auf die Schmerzen.

Ich versuche trotzdem, so wenig wie möglich Kohlenhydrate zu essen, weil es mir gut tut.




Freitag, 7. April 2017

CMD: Das Liaison-Konzept - Enge Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie und Zahnarzt bei Neurologischen Erkrankungen




Interdisziplinäre Konzepte unter besonderer Berücksichtigung der Kopfschmerzproblematik 
E. dr. Piehslinger

M. Schmid-Schwap, A. Skolka, M. Bristela, G. Krennmair Bernhard-Gottlieb-Universitäts-Zahnklinik, Abt. f. Prothetik, Medizinische Universität Wien 

Ich bin ein Paradebeispiel, dass meine CMD in vielen verschiedenen Fachrichtungen behandelt wird:


  • Zahnarzt
  • Kieferorthopäde
  • Myofunktionelle Therapie
  • Psychologe
  • Psychiater
  • etc.


Man darf die neurologisch/psychiatrischen Themen nicht einfach links liegen lassen. Meist wird viel zu spät bemerkt, dass der CMD-Betroffene in eine Depression gekippt ist. Der Patient will es nicht wahrhaben und schiebt die Depressions-Problematik immer weiter von sich.

Wenn dies auftritt, müsste eigentlich der Zahnarzt/Kieferorthopäde/Kieferchirurg dem Patienten empfehlen, einen Psychologen oder Psychiater aufzusuchen. Aber das geschieht so gut wie nie. Fachübergreifend denkt hier niemand.



Das „Liaison-Konzept" 
(Parallelbehandlung Zahnarzt/Psychiater)

Die mannigfachen Funktionen des Kauorgans, die weit über die Mastikation (Kauakt) hinausgehen, machen bei funktionellen Störungen ein interdisziplinäres Vorgehen notwendig. 


Zahnarzt

Störungen der Mastikation werden, wenn sie durch okklusale Störungen sowie Fehlstellungen der Zähne bedingt sind, zahnärztlich behandelt. 


Myofunktionelle Therapie (MFT)

Lautbildungsstörungen verlangen die Zusammenarbeit mit dem Logopäden (MFT) sowie dem myofunktionellen Therapeuten. Probleme mit Atmung und Haltung erfordern physiotherapeutische Interventionen. 

Ein häufiges Symptom bei Patienten mit Funktionsstörungen stellen Kopfschmerzen dar. Eine Reihe von Studien belegen die Assoziation von chronischen Kopfschmerzen mit TMD (CMD): Magnusson 1978, Wänman 1978, Forssell 1984, Schokker 1990, Ciancaglini 2000. 


TMD (CMD) ist zu 56 % bei Kopfschmerzpatienten

Sie empfehlen die funktionelle Untersuchung des Kauorgans bei unklaren Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzsymptomatik ist signifikant häufiger bei Patienten mit zervikalen (zum Hals, Nacken gehörend) und Kaumuskelstörungen (Dando 2006). 

TMD ist zu 56 % bei Kopfschmerzpatienten nachweisbar (Ballegaard 2008), vor allem bei Patienten mit kombinierter Migräne und Spannungskopfschmerz. 

Okklusionsstörungen, falsche Bisshöhe, zu niedrige Vertikaldimension durch Abrasion, Zahnverlust oder inadäquater Zahnersatz können Kopfschmerzen auslösen, die in der Temporal-, Scheitel- und Hinterhauptregion lokalisiert sein können (Sicher 1955). 


Frühkontakte und Verspannungen

Frühkontakte (iatrogen durch zu hohe Füllungen oder Kronen) oder ein sekundäres Lückengebiss führen zu Kompensationsmechanismen im Kauorgan und folgend zur Veränderung der neuromuskulären Koordination.

Ein einseitiger Frühkontakt führt zur Kontraktion des M. temporalis der Gegenseite. Es entstehen Kopfschmerzen auf der betroffenen Seite, denen Muskelspasmen zu Grunde liegen (Giuchet 1970). 


Stress und Knirschen

Der Stressbewältigung kommt im Kauorgan ein zentraler Stellenwert zu, das Kauorgan funktioniert als legales Stressventil. Knirschen und Pressen stellen per se keine Pathologien dar, es sind vielmehr normale Abwehrreaktionen des Kauorgans um Stress zu verarbeiten. 


Parallele Behandlung mit Psychologen und Psychiatern

Wenn Parafunktionen über ein normales Maß hinaus ausgeführt werden und zu strukturellen Schäden an Zähnen, Muskulatur und Kiefergelenken führen, muss eine enge Zusammenarbeit mit dem Psychologen oder Psychiater angestrebt werden. 

Das Liaison–Psychiatrie–Konzept sieht eine Parallelbehandlung von Zahnheilkunde und Psychiatrie vor. Es kommen Pharmakotherapie und psychotherapeutische Intervention sowie Gruppentherapie (Jacobson-Entspannung) und hypnotische Techniken zum Einsatz (Knaus 2002).


Eigene Ambulanz für Funktionsstörungen - Wien

Patienten mit langjährigen Schmerzzuständen unklarer Genese können an der Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik Wien die eigens eingerichtete Sprechstunde der „Ambulanz für Funktionsstörungen“ an der Klinischen Abteilung für prothetische Zahnheilkunde aufsuchen. 


Nach der Diagnostik und Ausarbeitung von Therapieplänen werden sie interdisziplinär in den Liaison-Ambulanzen mit- und weiter betreut. 

Hierfür besteht eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Physikalische Medizin einschließlich Physiotherapie, mit der Universitätsklinik für HNO, die bis zur Logopädie reicht, sowie mit anderen Fachbereichen, die je nach Fall herangezogen werden – vor allem auch mit der Psychiatrie.


Bei CMD 7 % echte Psychiatrische Fälle

„Es hat sich herausgestellt, dass sieben Prozent der registrierten CMD-Patienten echte psychiatrische Fälle sind. Deshalb kooperieren wir im Rahmen der Liaison-Ambulanzen mit der Universitätsklinik für Psychiatrie und behandeln die Patienten gemeinsam an der Zahnklinik“, so Piehslinger. 

„Diese Möglichkeit nehmen die Betroffenen gern in Anspruch, da sie ohne Offenlegen ihrer Situation, dorthin gehen können. Das verletzt ihre Gefühle nicht, denn das Wort Psychiatrie brauchen sie nach außen hin nicht zu kommunizieren – sie besuchen einfach die Ambulanz der Zahnklinik, die ja Regie für alles andere führt.“



Fazit:

 Kein Arzt hat mich diesbezüglich mal gefragt, ob bei mir ein psychisches Leiden vorliegt. Man muss sich immer selbst helfen.

 Schaut genau hin bei eurer CMD & Psyche. Lasst euch schnell behandeln, wenn ihr depressiv seid.

 Hier suche ich noch einen adäquaten Interview-Partner


Donnerstag, 6. April 2017

CMD: Kieferorthopädie II - Interview mit Herrn Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski, Kieferorthopäde





Kieferorthopädie die II.

Es ist mal wieder soweit und ich dachte, ich steige weiter in das Thema Kieferorthopädie ein. Ein ständiger Wandel besteht und ich wollte am Ball bleiben, um die neusten Methoden zu erkunden.

Bei meiner Recherche bin ich auf Herrn Prof. Dr. Dr. Ralf J. RadlanskiProfessor und Direktor am Institut für klinisch-theoretische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Freien Universität Berlin, gestoßen. 

Er ist:

  • Präsident des International Orthodontic Symposium in 2004, 2006 -2017 in Prag.
  • Wissenschaftlicher Leiter der jährlichen Kongressreihe „Der Richtige Zeitpunkt“ (2009 - 2016), veranstaltet vom Berufsverband der Kieferorthopäden (BDK) und der Initiative Kiefergesundheit (IKG).
  • Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Grundlagenforschung in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (2016 - 2017)
  • Präsident der EurAsian Association of Orthodontists (EAO)

und vieles mehr...


Sehr beeindruckt hat mich, dass die Praxis Adentics, wo Herr Prof. Dr. Dr. Radlanski arbeitet, die erste TÜV-zertifizierte kieferorthopädische Praxis Deutschlands nach DIN ISO 9001 ist. Außerdem gehört sie zu den Top Kieferorthopäden Deutschlands.

Mit ihm habe ich folgendes Interview geführt.

1) Im Hinblick auf Ihre Erfahrungen, was können Sie zu der Entstehung von CMD sagen?

Die Craniomandibuläre Dysfunktion ist ein multifaktorielles Geschehen. Der Unterkiefer ist am Schädel beweglich befestigt, wobei er mehrere variable Kontaktstellen hat. Wenn dabei die physiologisch-mechanische Abstimmung fehlerhaft ist, kann es zu den bekannten schmerzhaften Symptomen kommen. 


Ich sage „kann“, weil es nicht bei jedem Patienten zu Beschwerden kommen muss. Wenn aber eins oder mehrere der Komponenten (Zahnstellung, Kiefergelenke, Muskulatur, Körperhaltung, psychische Anspannung...) zusammenkommen, kann eine Craniomandibuläre Dysfunktion die Folge sein.


2) Wie wichtig ist die "Myofunktionelle Therapie" bei der CMD-Behandlung? Ist sie immer notwendig?

Wichtig ist, dass der Patient versteht, was mit ihm beim Vorliegen einer Craniomandibulären Dysfunktion passiert und was er selbst zu einer Besserung beitragen muss. Dazu gehört auch die Kontrolle seiner Muskelfunktion – insofern ist myofunktionelle Therapie wichtig. Ich schicke viele meiner Patienten mit einem entsprechenden Rezept zur Logopädie.


3) Was unterscheidet Ihr Kieferorthopädisches Konzept von den gängigen Methoden auf dem CMD Markt?

Ich vergleiche meine Methoden nicht so sehr mit dem, was sich auf einem „CMD-Markt“ abspielt. Bei meinen Patienten liegt oft eine Dyskongruenz zwischen der Zahnstellung und der Kiefergelenksfunktion vor. 


So ermittele ich zunächst mit einer Schiene, die die dentale Okklusion entkoppelt, eine Lage der Kiefergelenke, die frei von jeder dentalen Zwangsführung ist. 

Meine Schienen haben meist einen planen seitlichen Aufbiss und je nach Zahnstellung sogar kieferorthopädische Schraubsegmente, damit nicht beim Herausnehmen der Schiene wieder die alte Zahnstellung stört. 

Oft kontrolliere ich die Kiefergelenksregion auch im MRT. Wenn Zähne umgestellt werden müssen, schließt sich nun eine kieferorthopädische Korrektur an. 

Wenn der Unterkiefer aus einer bisher fehlfunktionierenden Zwangslage in eine neue Lage kommen muss, dann behandle ich meine Patienten so, dass ich ihnen auf jeden Fall bewusst mache, dass sie eine neue Lage auch üben müssen

Zu diesem aktiven Lernprozess nehme ich die Fachleute aus der Physiotherapie, der Logopädie und auch der Psychologie je nach Notwendigkeit dazu. 

Meine Patienten wissen, dass sie auch selbst einen erheblichen Beitrag in ihrem Verhalten leisten müssen, um zu einer Besserung oder gar zu einer Heilung zu kommen.


4) Welche Schienentherapie-Konzepte befürworten Sie und welche weniger?

Wie schon unter 3. erwähnt, verwende ich aktive Äquilibrierungsschienen"also Schienen, die einen planen seitlichen Aufbiss haben, damit sich der Unterkiefer frei von dentalen Störungen nur geführt im Kiefergelenk und durch die Muskulatur positionieren kann
(ich verzichte auf jegliche Führung).

Die Michiganschiene hat dagegen eine frontale Führung und Eckzahnführungen.

Oft haben meine Schienen kieferorthopädische Schraubsegemente, wenn ich von Anfang an sehe, welche Zähne oder Zahngruppe einer gelenkbezüglich korrekten Lage des Unterkiefers im Wege stehen.

(Literatur: RADLANSKI, R. J.: An equilibrating splint combined with active orthodontic screw segments for the initial treatment of patients with a posterior forced bite. J. of Craniomandibular Function, 6 (2014) 117-129.)


5) Welche Langzeit-Studien existieren zum Thema Kieferchirurgie?

Meinen Sie, Kieferchirurgie als Therapie der craniomandibulären Dysfunktion? Hier muss erstmal eine Differentialdiagnose geleistet werden, ob die Zahnbögen „funktionell“, also durch Lageveränderung der Mandibula oder durch eine Umstellungsosteotomie angepasst werden müssen. 


Ich selbst habe hierzu keine Langzeitstudien durchgeführt. Aus der Literatur geht hervor, dass die Ergebnisse stark unterschiedlich sind – dies liegt meines Erachtens daran, dass jeder Patient zu sehr Individuum ist mit allen Begleiterscheinungen und dass deshalb gerade im Bereich der Craniomandibulären Dysfunktion Vergleichsstudien nur sehr schwer möglich sind.


Fazit: 

▶ Nicht nur die Zahnstellung, Kiefergelenke, Muskulatur, Körperhaltung, sondern auch die psychische Anspannung beeinflussen eine CMD. D.h. man sollte mit mehreren Ärzten und manuellen Therapeuten zusammen arbeiten.

Bei der Psyche wie immer aufpassen!